Juli 2009

Das Schulwesen in früheren Zeiten

Leiblfing. Die Schule und Volksbildung wurde früher nicht so sehr vernachlässigt, wie man allgemein anzunehmen pflegt. Nur war der Schulunterricht nicht so geregelt wie in unserer Zeit. Der Schulbesuch war hauptsächlich auf die Wintermonate beschränkt und umfasste nur das Notwendigste, vor allem das Lesen, damit die Kinder im Religionsunterricht leichter vorwärts kamen. Die Schulbänke waren breite, tafelförmige Tische, da in der Kirchenrechnung von Leiblfing vom Jahre 1668 angeführt ist: Eine neue Schultafel, bei der die Kinder sitzen und lernen, kostet 32 kr ( Kreuzer).Es saßen nämlich die Kinder einander gegenüber und der Lehrer setzte sich von Kind zu Kind, um jedes einzelne aufsagen lassen zu können, Durch einen glücklichen Zufall ist noch eine Schulvorschrift aus dem Jahre 1696 erhalten, die, in Kupfer gestochen, Vom Augsburger Kupferstechermeister Marianus verfertigt und vom Hüttenkofener  Schulmeister Michl Thalbauerin in seiner Schule benutzt wurde. Sie enthält viele praktische Ratschläge für die Jugend. Die auch auf die heutigen Verhältnisse passen. Hier einige Auszüge: Sprich und tue nichts, wovon du nicht willst, dass es die ganze Welt sehen und hören könne! Geduld überwindet alles! Wenn du das Leben liebst, so verschwende die Zeit nicht denn aus Zeit besteht das Leben! Der Fleißige setzt sich nicht hin und wünscht. Wer von Hoffnung lebt, stirbt am Fasten. Wenn man das kauft, was man nicht braucht, so muss man bald das verkaufen, was man braucht. Mäßigkeit bewahrt vor Krankheit. Nach getaner Arbeit ist gut ruhen. Eile mit Weile! Faulheit lohnt Armut. Was heute geschehen kann, verschiebe nicht auf morgen! Die alten Schullehrer, gewöhnlich auch zugleich Mesner und Chorregenten (ludimagister) waren arme Leute. Im Jahre 1708 ist fast ganz Metting abgebrannt. Dabei ist auch das Schul- und Mesnerhaus ein Raub der Flammen geworden. Nach der Kirchenrechnung von 1709 ist sowohl von geistlicher und weltlicher Obrigkeit beschlossen worden, ein solches wieder auf dem gleichen Ort in der gleichen Bauweise (aus Holz) zu errichten „damit die Kinder in die Schule gehen und  beförderlichst in christlicher Lehr unterrichtet werden können. Aus der Waldung am Sattelbogen wurden 6 Schindelbäume bezogen und der Bau kam immer noch auf 78 fl (Gulden rh.) und 31 kr zu stehen, obwohl jeder Schindelbaum nur 30 kr und jede Dachlatte 1 kr gekostet hatten. 700 Ziegelsteine kosteten 4 fl 30kr und der neue Ofen 1 fl 20 kr. Der Schulmeister, der damals Mesner, Organist (ludimagister) und zuletzt auch Schulmeister war, mit Namen Johann Wimmer, verfertigte die Schindeln selbst, damit das Gotteshaus keinen Schaden leide. Laut Kirchenrechnung von Hailing  vom Jahre 1681 hat der Schulmeister bei der Ausbesserung des Kirchendaches elf Tage lang Handelangerdienste geleistet und dafür täglich 12 kr erhalten.

Da die Mesner zugleich auch Schulmeister waren, so wurde überall Schule gehalten. Wo Mesner sich fanden, die neben dem Mesnerdienst auch nebenbel ein Gewerbe trieben. Laut Traubuch von Leiblfing war schon vor dem Jahre 1600 dortselbst ein Schulmeister namens Moosburger. Ihm folge 1601 Wolfgang Kerscher, der zugleich auch Hofmarksrichter von Hailing war. Er war bei der Geistlichkeit sehr beliebt, da bei seiner Trauung mit Tochter des Metzgers Joh. Schmidmeyer der Pfarrer Georg Fraldung von Feldkirchen und der Tundinger Pfarrherr Georg Steinhauser, früher Benefiziat von Hüttenkofen, als Trauzeugen fungierten. Kerscher war mit Kindern sehr gesegnet, da er bis 1630 fest jedes Jahr ein Kind taufen ließ. Ihm folgte 1644 Stephan Forszer, 1683 Goeorg Huber und 1698 Joh. Jos. Fischer, gebürglich aus Schwarzach, der ab 1701 den Namen Schulmaister und Organist führte, da in diesem Jahr die Pfarrkirche zum ersten Mal eine Orgel bakam. Ihm folgte sein Sohn Matth, Fischer, der im Jahre 1746eine Offizierswitwe ehelichte. In Puchhausen kommen folgende Schulmeister vor: 1687 Lorenz Fuchsteiner, 1715 Georg Hass, in Hailing: 1681Martin Amann, 1689 Sebastian Hittenberger, 1730 Joh. Adam Schelkshorn, in Metting: 1681 Peter Amann, 1709 Johann Wimmer, ludimagister. In der Kirchentrennung von Hüttenkofen vom Jahre 1711 steht unter den Notwendigkeiten auch eine Reparatur an dem zum Gotteshaus gehörigen Schulhaus.  1706 erscheint Michl Thalbauer, der in diesem Jahr als Schulmeister zu Hüttenkofen von der Beywohnung bei der Kirchenstift sein Deputat zu 45 kr erhielt, das bisher der Leiblfinger Lehrer bezogen hatte. Selbst zu Obersunzing kommt 1697 ein Wolfgang Haas als Schuster und Schulmeister vor.

Schule und Kirche standen seit jeher in gut nachbarlicher Beziehung und Priester und Lehrer arbeiten gemeinsam an der Jugenderziehung und –bildung. Gute Partnerschaft und Zusammenarbeit beider Erziehungsfaktoren gewährleisten Erfolge. Der Zustand von Kirche und Schulhaus war seit jeher ein Anlegen frommer und bildungsfreudiger Gemeindebürger und ist auch heute noch ein beredtes Dokument für den Kulturwillen einer Gemeinde.